So verzuckert die Industrie eure Babies

Anzeige | Der folgende Text dient der neutralen Information und allgemeinen Weiterbildung. Es handelt sich weder um eine medizinische Anweisung, noch ersetzt der Inhalt einen medizinischen Rat.


Um ihren Kindern einen optimalen Start ins Leben zu ermöglichen, vertrauen viele Eltern auf die Fertigprodukte der Lebensmittelindustrie. Warum auch nicht? Ein Breigläschen ist schnell warm gemacht, ein fertiges Pulver für Grießbrei fix angerührt. Im Stress kann das viel Zeit sparen und ist daher absolut nachvollziehbar.

Das Problem macht sich jedoch bemerkbar, sobald man einen genaueren Blick auf die Zutatenlisten wirft. In vielen Produkten findet sich viel zu viel „versteckter“ Zucker. Dabei gilt speziell bei Babynahrung äußerste Vorsicht, da ein zu hoher Zuckerkonsum schon bei unseren Kleinsten zu Karies und Übergewicht führen kann.

Wie ist die Gesetzeslage bei Baby- und Kindernahrung?

In der Diätverordnung des Bundesamts für Justiz gibt es eine Gesetzesregelung (Stand Juni 2021), die eine Obergrenze für Zucker festgelegt hat. Demnach dürfen in einem Produkt maximal 5-7.5g/100kcal zugesetzter Zucker (außer Fructose, für diese gibt es strengere Regeln)  enthalten sein.

Der Durchschnitt des Nährstoffgehalts von Milchbrei verschiedenster Marken beispielsweise beträgt ca. 420kcal/100g und somit sind mindestens 21g bis teilweise über 30g zugesetzter Zucker auf 100g erlaubt.

Experten sind sich einig, dass sowohl die erlaubten, als auch die letztendlich enthaltenen Zuckermengen oft viel zu hoch sind. Trotzdem sind diese Produkte nicht nur zugelassen, sondern werden von den Herstellern auch noch beworben, oftmals mit irreführenden Aussagen, wie z.B.  „nur aus natürlichen Zutaten“.

Das soll den Eltern beim Kauf ein gutes Gefühl geben, obwohl die überzuckerten Produkte eigentlich im Kontrast zu aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen stehen, denn auch Zucker aus natürlichen Zutaten ist in zu großen Mengen bedenklich.

Warum wird Babyprodukten so viel Zucker zugesetzt?

Es ist allgemein bekannt, dass Kinder süße Lebensmittel bevorzugen. Wir sind von Geburt an darauf geprägt, denn sowohl das Fruchtwasser, als auch die Muttermilch haben einen süßlichen Geschmack. Diese Vorliebe ist aber auch evolutionsbedingt. Früher, als Jäger und Sammler, bedeutete saure oder bittere Nahrung meist, dass die Lebensmittel verdorben oder giftig waren, wohingegen Süße ein Zeichen für ungiftiges Essen war.

Die Bevorzugung süßer Lebensmittel blieb, nur die Art der Süßigkeiten änderte sich. Waren es früher Beeren, anderes Obst oder z.B. auch Wurzeln, die wichtige Energie lieferten, sind es heute Schokolade, Gummibärchen oder Kekse, die jetzt zu viel Energie und vor allem zu viel Zucker enthalten.

Dennoch machen sich die Hersteller das zunutze und betreiben Umsatzsteigerung auf Kosten der Gesundheit der Kinder. Denn die Geschmacksknospen werden im Kindesalter geprägt, sodass ein zu hoher Konsum von aromatisierten und stark gesüßten Lebensmitteln oft auch automatisch zu einem zu hohen Konsum im Erwachsenenalter führt.

Aus diesem Grund spreche ich mich immer wieder für einen bewussten Umgang aus, sowohl mit Zucker, als auch mit dem Einsatz von Chunky Flavour, was als Zuckerersatz auch für Kinder völlig legitim ist. Denkt immer an die Verhältnismäßigkeit: 3g Chunky ersetzen 50g Zucker.

Versteckter Süßmacher: Magermilchpulver in Babynahrung

In der Lebensmittelindustrie wird statt Milch häufig Magermilchpulver verwendet, da dieses viel kostengünstiger und länger haltbar ist. Ein prominentes Beispiel ist Nutella, in der ein Teil des Fettgehalts reduziert und durch Magermilchpulver ersetzt wurde. Aber auch in zahlreichen anderen Fertigprodukten und eben auch Säuglingsnahrung ist Magermilchpulver enthalten.

Dabei sind allerdings gleich mehrere Punkte problematisch.

Für die Herstellung von 1kg Trockenmilchpulver werden rund 6-7 Liter frischer Milch benötigt und das aufwendige Trocknungsverfahren zur Gewinnung des Pulvers verbraucht sehr viel Energie. Durch die Verdampfung des Wassers beträgt außerdem der Milchzuckeranteil bei Vollmilchpulver ca. 36%, bei Magermilchpulver ganze 51%. Zum Vergleich – normale Milch enthält ca. 5% Zucker. Das ist das gleiche Prinzip wie bei echtem Obst und konzentriertem Fruchtzucker.

Auch interessant zu wissen: Molkenprotein, was ebenso pulverisierte Milch ist und z.B. im Total Protein enthalten, hat im Gegensatz dazu 4g Zucker auf 100g.

Molkenerzeugnis (=die Basis für die Whey Protein Herstellung) oder Molkenproteinkonzentrat findet man teilweise auch in Kinder Anfangsmilch, Proteinpulver ist demnach auch nicht gefährlich für Kinder. Für Babys und Säuglinge halte ich es für unangemessen und unnötig im Rahmen einer gesunden Ernährung, aber ab dem Kleinkindalter von 3-6 Jahren können Proteinpräparate, je nach Essverhalten des Kindes, durchaus eingesetzt werden, solange das sehr bewusst und kontrolliert geschieht. Je nach Alter und Gewicht sind die absoluten Mengen natürlich um ein Vielfaches geringer als bei Erwachsenen, was wir auch in unserem Kinderkochbuch berücksichtigt haben.

Fazit

Für eine gesunde und ausgewogene Ernährung von Babys sollte auf Fertigprodukte so weit wie möglich verzichtet werden. Wenn du trotzdem fertige Lebensmittel verwenden möchtest, solltest du auf jeden Fall die Zutatenliste und die Nährwerttabelle genau anschauen. Je geringer der Zuckeranteil und je weniger zugesetzter Zucker, desto besser.

Babybrei & Co können aber auch ohne größeren Aufwand problemlos selbst hergestellt werden. Wichtig dabei sind frische und natürliche Lebensmittel, am besten in Bio-Qualität.

Beste Grüße

Euer Q


Quellen

Augsburger Allgemeine (Hrsg.): Foodwatch warnt: Babynahrung enthält zu viel Zucker, [online]

https://www.augsburger-allgemeine.de/wissenschaft/Lebensmittel-Foodwatch-warnt-Babynahrung-enthaelt-zu-viel-Zucker-id31474552.html [abgerufen am 01.12.2022].

Bundesministerium der Justiz (2021): Verordnung über diätetische Lebensmittel (Diätverordnung), [online]

https://www.gesetze-im-internet.de/di_tv/BJNR004150963.html [abgerufen am 01.12.2022].

Bundesministerium der Justiz (2021): Verordnung über diätetische Lebensmittel (Diätverordnung) §1, [online]

https://www.gesetze-im-internet.de/di_tv/__1.html [abgerufen am 01.12.2022].

Bundesministerium der Justiz (2021): Verordnung über diätetische Lebensmittel (Diätverordnung) Anlage 19 (zu §14d Abs. 4, §22b Abs. 2 Nr. 2) Grundzusammensetzung von Getreidebeikost, [online]

https://www.gesetze-im-internet.de/di_tv/anlage_19.html [abgerufen am 01.12.2022].

Lehnert, Franziska (2019): WHO: zu viel Zucker in Babynahrung, Focus Gesundheit Arztsuche, [online]

https://focus-arztsuche.de/magazin/gesundheitstipps/who-studie-babynahrung-enthaelt-zu-viel-zucker [abgerufen am 01.12.2022].

Litters, Jennifer (2014): So füttern wir unsere Babys mit Brei und Keksen krank, Focus online, [online]

https://www.focus.de/familie/babyernaehrung/karies-uebergewicht-diabetes-so-fuettern-wir-unsere-babys-mit-brei-und-keksen-krank_id_4158680.html [abgerufen am 01.12.2022].

Medizin Aspekte (Hrsg.) (2016): Warum wir gerne Süßes essen, [online]

https://medizin-aspekte.de/warum-wir-gerne-suesses-essen_51044-44852/ [abgerufen am 01.12.2022].

Nährwertindex (Hrsg.): Magermilchpulver, [online]

https://www.naehrwert-index.de/lebensmittel/magermilchpulver/ [abgerufen am 01.12.2022].

Tilmans, Josef (2013): Lehrbuch der Lebensmittelchemie, Springer-Verlag, [online]

https://books.google.de/books?id=TiWyBgAAQBAJ&pg=PA130#v=onepage&q&f=false [abgerufen am 01.12.2022].

ZDFbesseresser (2020): Heiße Ware Milchpulver: Sebastian entlarvt die Zauberzutat der Lebensmittelindustrie, [Video] Youtube https://www.youtube.com/watch?v=LR6ULumU6DE [abgerufen am 01.12.2022].

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